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Seit Mitte des 17. Jahrhunderts belegte der Staat den
Whisky mit Steuern. Doch wer wollte kontrollieren, was sich in abgelegenen
Tälern tat. Erst 1823 war es mit der freien Brennerei endgültig zu Ende.
1824 wurde der ersten Destillerie eine offizielle Lizenz erteilt. Das
war der Anfang einer für Schottland bedeutenden Industrie, denn noch
heute gibt es über hundert Brennereien.
Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Malt-Whisky (Malt heißt
Malz) und Grain-Whisky (Grain heißt Getreide). Der Malt-Whisky ist der
typischere, die Herstellung älter und komplizierter. Malt-Whisky wird
nur aus gemälzter Gerste hergestellt. Sie muß zunächst zwei bis drei
Tage natürlichem Quellwasser quellen, das über Granitstein gelaufen
ist oder aus dem Hochmoor kommt und noch die leicht bräunliche Farbe
vom Torf hat.
Whiskyhersteller schwören darauf, daß hier schon der erste Geschmacksunterschied
entsteht. Denn sie wissen, daß nebeneinanderliegende Brennereien, jede
mit eigener Quelle, sonst aber nach gleichen Methoden produzierend,
geschmacklich deutlich verschiedene Whiskys erzeugen.
Die geweichte Gerste kommt auf den Mälzboden, wo sie nach kurzer Zeit
zu keimen beginnt. Während dieser Zeit muß sie alle acht Stunden gewendet
werden. Die kleinen Keimlinge sondern ein Ferment ab, die Diastase.
Sie mobilisiert die Stärke, das heißt, sie wandelt sie in Zucker, den
sogenannten Maltosezucker um. Damit die keimende Gerste diesen Zucker
nicht selbst verbraucht, wird die Keimung nach acht bis zwölf Tagen
unterbrochen. Das grüne Malz kommt auf den Darrboden. Er befindet sich
unter dem einem Turm, an dem man jede Brennerei erkennt. Der Darrboden
ist einem riesengroßen Sieb vergleichbar. Darunter brennt ein Torffeuer,
dessen Wärme die Keim trocknen läßt. Ein kleineres, mehr glimmendes
als brennendes Feuer erzeugt dicke Rauchschwaden und gibt der Gerste
das Raucharoma. Die Dauer der Keimzeit und die Stärke des Rauchfeuers
sind zwei weitere geschmacksentscheidende Punkte. Das Keimen und Trocknen
der Gerste wird immer seltener von den Brennereien selbst durchgeführt
denn der Vorgang, wie er hier beschrieben ist, ist aufwendig. Manche
Brennereien beziehen ihr Malz bereits von Spezialfirmen, die das Keimen
und Darren in großen Trommeln erledigen.
Herstellung
Die gemälzte Gerste wird gemahlen und mit heißem Wasser
vermischt. Dabei löst sich der Maltosezucker heraus. Die festen Bestandteile
werden abgesiebt, der flüssige Rest kommt in große Gärbehälter. Es folgt
der nächste geschmacksbestimmende Schritt, der Zusatz von ein bis zwei
speziell gezüchteten Hefen. Sie bringen das Ganze zur Gärung und spalten
die Maltose in Alkohol und Kohlensäure auf. Die Gärung dauert zwei bis
drei Tage. Ist sie vorüber, hat man eine Flüssigkeit mit einem Alkoholgehalt
von 10-20 Vol. %. Das ist der Augenblick, in dem sich ein Steuerbeamter
einschaltet. Die Menge der vergorenen Masse wird registriert, ehe sie
in die Destillierkessel kommt. Von nun an läuft alles unter strengem
Verschluß.
Zum Destillieren im Pott-Still-Verfahren braucht man zwei Brennblasen,
das sind große zwiebelförmige Kupferkessel. In der ersten wird der Alkohol
von der Maische getrennt. Durch Erhitzen verdampft er, der Dampf wird
in gekühlte Rohre geleitet und schlägt sich wieder nieder. Das Produkt
der ersten Destillation ist der Rauhbrand, "low wine" genannt. Er hat
einen zu niedrigen Alkoholgehalt und enthält noch viele Fuselstoffe
und andere unerwünschte Begleitstoffe. Darum findet noch eine zweite
Destillation statt, die diese Stoffe aussondert. Beim zweiten Durchlauf
kontrolliert der Brennmeister den Alkoholgehalt des auslaufenden jungen
Whiskys am Spirit-Safe, einem unter Verschluß gehaltenen Kontrollapparat,
der von außen gesteuert wird. Was zunächst aus der Brennblase läuft,
der sogenannte Vorlauf, wird noch abgetrennt. Dann kommt der junge Whisky
völlig farblos und mit einem Alkoholgehalt von etwa 65 bis 75 Vol. %.
Der Rest aus der Blase, der Nachlauf, kommt genau wie der Vorlauf zurück
in erneute Destillation. Es verlangt viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung
vom Brennmeister, den richtigen Augenblick abzupassen, in dem der Whisky
am reinsten aus der Brennblase läuft.
Der junge Whisky schmeckt rauh und fuselig, acht Tage später wird er
sogar ziemlich ungenießbar. Doch er ist in diesem Stadium auch noch
nicht reif zum Trinken. Er wird unter Aufsicht des Steuerbeamten auf
circa 63 Vol. % verdünnt, in Fässer gefüllt und in die Lagerhäuser gebracht.
Die Fenster der, Lagerhäuser haben keine Scheiben, sie sind lediglich
mit Draht vergittert, so daß die Luft ungehindert an den Fässern vorbeizieht.
Lagerung
Whisky lagert in Eichenfässern, die oft vorher zur
Lagerung von Sherry gedient haben. In frischen Sherryfässern wird er
etwas dunkler. Während der Lagerzeit verdunstet ein Teil des Alkohols,
doch mit dem Alkohol verdunsten auch die letzten unerwünschten
Fuselstoffe, der Whisky wird runder und weicher. Nach etwa sieben Jahren
Lagerzeit sinkt der Alkoholgehalt auf etwa 60 Vol. %, nach zwölf Jahren
auf etwa 57 Vol % ab.
Beim Malz-Whisky unterscheidet der Fachmann verschiedene
Typen:
Highland-Whisky
- malzig, rauchig, aromatisch.
Lowland-Whisky
- schwach aromatisch, milder.
Islay-Whisky
(von einer Insel an der Westküste) - stark rauchig, ausgeprägt
und fast streng im Geschmack.
Campbeltown-Whisky
- aufgeprägter Holzgeschmack, salzig,, intensiv.
Es ist generell schwer subtile Geschmacksunterschiede
durch Worte zu vermitteln. Reinen Malt-Whisky bekommt man außerhalb
von Schottland nur selten. Sein Geschmack ist kräftig, deshalb wir er
von der breiten Masse des Marktes nicht stark nachgefragt.
Verschnitt (Blend)
Erst die Blend, die
Mischung mit Grain Whisky, hat dem "Lebenswasser" den Weg in die Welt
geebnet. Grain-Whisky wird aus ungemälzter Gerste und Mais hergestellt,
unter einem Zusatz von gemälzter Gerste. Das ungemälzte Korn wird durch
Dampf erhitzt, um die Stärke freizusetzen. Dazu kommt Malz, das die
Stärke in Zucker verwandelt. Es folgt die Vergärung mit Hefe und danach
die Destillation im Patent-Still-Verfahren oder "Kolonnenverfahren".
Es wurde 1831 patentiert. In zwei Türmen wird die gegorene Masse (Maische)
durch mehrere Kammern geleitet, dabei wird der Alkohol extrahiert. Der
im Kolonnenverfahren gewonnene Whisky hat einen höheren Alkoholgehalt
als Malz-Whisky, er ist reiner und darum leichter und milder. Mit dem
Patent-Still-Verfahren können wesentlich größere Mengen verarbeitet
werden, deshalb ist die Zahl der Grain-Brennereien nicht so groß. Der
Geschmack des Grain-Whiskys ist nicht von der Lage der Destillerie abhängig.
Grain-Whisky muß mindestens drei Jahre lagern. Er wird kaum als reiner
Grain-Whisky verkauft sondern vorwiegend als Verschnitt verwendet.
Einige Firmen haben sich auf das Blending und das Abfüllen spezialisiert.
Sie kaufen ver- schiedene Whiskys gleich nach der Produktion und verschneiden
die Sorten, wenn sie ausgereift sind. Der wichtigste Mann in der Firma
ist der Blender, dessen Aufgabe es ist, eine für den Kunden stets
gleichbleibende Qualität zu schaffen.. Er weiß aus langjähriger
Erfahrung, welche Sorten sich miteinander vertragen und welche nicht.
Er stellt sie so zusammen, daß sie sich gegenseitig ergänzen und verbessern.
Und daß die endgültige Mischung den für die Marke des Hauses typischen
Geschmack bekommt.
Eine Blend wird aus 15 bis 50 verschiedenen Sorten gemischt. Nach der
Mischung muß sie noch einmal einige Monate im Faß lagern, damit sich
die einzelnen Komponenten völlig miteinander verbinden.
Wie trinkt man Whisky?
Der Schotte trinkt den Whisky "neat", das heißt pur.
Oder höchstens mit einem kleinen Schuß Quellwasser, weil das seiner
Ansicht nach die Aromastoffe des Whiskys erst richtig zur Entfaltung
bringt. Der Whisky selbst wird nicht gekühlt, es heißt sogar, je kälter
es draußen ist, desto wärmer muß der Whisky sein. Das Wasser für den
Whisky kann durch ein paar Eiswürfel gekühlt werden. Dafür gibt es die
typischen Krüge mit eingezogener Tülle, die die Eiswürfel zurückhalten.
Whisky mit Eis, Scotch on the rocks,
wird in Schottland selten getrunken. Gelegentlich wird Whisky mit Soda,
Ginger-Ale oder Bitterlemon aufgefüllt.
Whisky / Sorten
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